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An diesem Samstag im Juni geht es um fünf Uhr morgens los mit einem von Freund:innen geliehenen Auto nach Lärz. Der Wagen voller Menschen, Klavierdraht, ungebundene Bücher und eine Bontempi-Orgel. Auf der Fahrt esse ich alte Flammkuchen auf, übrig von Lottes Show in einer Kunststiftung. Wir müssen uns ganz früh im Harbour besprechen mit der Soundcrew. Wir zeigen unser poetry book launch Konzert vom Buch #1 Verwandlung, dabei sind Antje, Camille, ich, Knut, Liaam Iman aus der äußeren Zwiebel und Sichi. Die Soundcrew ist etwas zu spät. Für die Lesebühne auf der Fusion haben wir viel zu viele Instrumente. Die Sonne wird immer heißer, ein strahlender Sommertag. Nach der Besprechung freie Zeit, wir binden Bücher, machen die Setliste, treffen musikalische Verabredungen, ein Nickerchen. Es ist eine Ehre, auf dieser Bühne auftreten zu dürfen, vor uns sprechen die Palestinians and Jews for Peace über radical empathy und rehumanisation, Sister Oloruntoyin erinnert in einer spirituellen Performance an die Leben und Träume von in Deutschland durch rassistische Gewalt getötete schwarze Personen. Die Fusion ist ein besonderer Ort, wo der Versuch unternommen wird, politische Bildung, Aktivismus, Kunst und Party nebeneinander bestehen zu lassen. Dass das viele eingenommene Geld der linken Szene zugeführt wird, fühlt sich gut an. Besonders beeindruckt bin ich bei einem Rundgang über das Gelände von der phantastischen Subwoofer-Architektur auf der main stage. Dann bauen wir auf, die Raumharfe braucht etwas Zeit und nimmt die ganze Bühne ein in ihrer filigranen Ausdehnung. Um sie herum und in sie hinein gruppieren wir uns. Wir schaffen es nicht in der angekündigten Zeit, die Soundcrew hat keine iPads bekommen und kann nicht vom Publikum aus pegeln, alles dauert doppelt so lange wegen Hin- und Herlaufen. Einige Zuschauer:innen wollen nicht warten, und verschwinden wieder, Hella Stoleccyc hält durch. Und dann fangen wir endlich an. 1pp1-Shows sind auch für mich immer überraschend, weil sie sich in dem Moment erst realisieren, und ich erst beim Machen verstehe, was wir da eigentlich tun. Unsere Songauswahl bezieht sich stark auf Waldbrände und Klimawandel. Während wir spielen, ändert sich das Wetter, ein starker Wind kommt auf, Wolken verdüstern die Sonne, Vogelschwärme am Himmel, es wird Abend. Dronig noisig unsere Musik, immer wieder schälen sich Songs heraus, Lottes Lied von den Klimaprotesten, Sichi sucht das Feng Shui Paradies, Camilles Fichten auf ewiger Lichtsammlung, Antje gibt dem Wald im Nationalpark sächsische Schweiz eine Stimme, dann Liaams T’bal, ganz erdig, deutlicher Rhythmus, und deren Gesang. Text wird Musik wird Bewegung wird Sound. Dazu meine Kirchenlieder, und die Gemeinde singt wieder mit. Ich bin ganz stolz auf unsere Show, guter Applaus, wir verkaufen zwei Bücher. Dann sofort Abbau, einladen, Abreisen organisieren, wer wird von wem abgeholt, langsam trennen wir uns wieder. Irgendwann schon in stockfinsterer Nacht das Künstler:innen-Essen, letzte Gespräche, Fachsimpelei hören über Techno und Subgenres von Antje und DJ-Freund:innen. Und ab nach Hause. >Hauke Heumann

Fusion Festival Kulturkosmos Lärz, Harbour 28.6.2025 >Hauke Heumann · Liam Iman · Knut Klaßen · Sichi Li · Antje Meichsner · Camille O