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Im Dezember 2025 wurde eine Kopie der „Partiturskizze zu einer mechanischen Exzentrik“ (1925) von László Moholy-Nagy von Sichi Li (1pp1) in den Koffer gepackt und nach Jingdezhen, China geflogen. In Kooperation mit dem lokalen Kurator 于大于(Yu Da Yu) entstand ein zweitägiger Workshop mit Vortrag, Diskussion, Probe und Aufführung. Zehn chinesische Teilnehmende kamen zusammen, um die Partiturskizze zu betrachten, zu analysieren, zu diskutieren, auszuprobieren, direkt zu praktizieren und zu versuchen, einen neuen performativen Code auszugraben. Die Kopie der Partiturskizze wurde als offenes System verstanden. Ein Tag später brachen vier Personen den Prozess ab. Eine neue Person stieg spontan ein. Was zunächst wie Instabilität erschien, wurde Teil der Struktur. Nach ungefähr 30 Stunden entstand eine Jingdezhen Edition der Partiturskizze. Sie wurde in einem ehemaligen Getreidespeicher – heute eine Porzellankunst-Galerie – aufgeführt und gefeiert. Das vollständig mit Aluminiumfolie verhüllte Bühnenbild stammte von einer anderen Aufführung “The Peony Pavilion”. Es wurde einen Tag vor Abbau doch verlängert stehen zu bleiben und konnte so upgecycelt und weiterverwendet werden. Der rote Faden war ebenfalls ein Überbleibsel von “The Peony Pavilion” und wurde neu eingesetzt. Die Bühne wurde am Ende der Aufführung direkt von den Performer*innen abgebaut und aufgeräumt: Die Stühle wurden dem Publikum direkt unter dem Körper weggezogen und die Zuschauer:innen wurden aus dem Raum gedrängt. Während des Workshops wurde wiederholt auf die BauBü (Bauhaus Bühne) -Theorie von Moholy-Nagy verwiesen: Die Bühne ist kein Illusionsraum, sondern ein experimentelles Feld. Fünf Elemente strukturieren die Aufführung: Farbe, Ton, Bewegung, Geruch, Form. Keines dieser Elemente dominiert die anderen. Sie existieren nebeneinander, beeinflussen sich gegenseitig und bilden eine nicht-hierarchische Landschaft. Diese Bühne ist keine Erzählmaschine. Sie ist eine Struktur ohne Zentrum. Gerade in dieser Gleichwertigkeit liegt ihr demokratisches Moment. Die Aufführung im Workshop war keine Rekonstruktion des historischen Werks. Sie war eine lokale Edition. In Jingdezhen, einer Stadt mit langer Tradition kollektiver Produktion, verschob sich der Fokus vom individuellen Künstler zur Gruppe. Die Partikurskizze wurde zum Werkzeug. Die Gruppe wurde zum Medium. Die zweitägige Veranstaltung hieß „Volksbühne, Volksrepublik!“. Dieser Titel ist weder ironisch noch rein politisch gemeint. Er beschreibt einen Versuch: Kann eine Bühne als Modell einer Gesellschaft funktionieren? Kann eine ästhetische Struktur demokratische Prinzipien erfahrbar machen? Wenn Farbe, Ton, Bewegung, Geruch und Form gleichwertig sind – dann entsteht vielleicht kein utopisches Bild, aber eine temporäre Praxis. Eine temporäre Praxis der Demokratie.

2025年12月,László Moholy-Nagy1925年的《机械偏心的乐谱草图》的一份复印件,被1pp1成员Sichi Li装进行李箱,随身带到了中国景德镇。在当地策展人于大于的合作下,一个为期两天、包含讲座、讨论、排练与演出的工作坊得以展开。十位中国当地的参与者聚集在一起,对这份乐谱草图进行阅读、分析、讨论与尝试,并直接投入实践,试图从中挖掘出一种新的表演性编码。乐谱草图的被理解为一个开放的系统。一天之后,四位参与者中途退出,一位新成员临时加入。最初看似的不稳定发生,成为了结构的一部分。大约30小时后,一个景德镇版本的“乐谱草图”得以形成。它在一座曾经的谷仓里——如今的陶瓷艺术画廊内——被上演并庆祝。被铝箔材料完全包裹的舞台装置来自前一天的另一场演出《牡丹亭》。在撤景过程中,它被要求保留下来并继续使用。演出中的红线同样来自《牡丹亭》的道具,它被拆除,重新置入新的语境。演出结束时,舞台由八位表演者直接拆除,清理。观众席的椅子被抽走,观众随后被引导离场。在工作坊期间,Moholy-Nagy的包豪斯舞台理论被多次提及:舞台并非幻觉的空间,而是一个实验性的场域。演出由五个元素构成:色,声,动,味,形。没有任何一个元素凌驾于其他之上。它们并置存在,彼此影响,形成了一种非等级化的结构。舞台不是一台叙事机器,而是一种没有中心的结构。正是在这种平等关系之中,呈现出其民主性的维度。这场演出并非对历史作品的重建,而是共振在地性的版本。在景德镇——一座拥有悠久集体生产传统的城市——焦点从个体艺术家转向群体。乐谱草图成为工具,群体成为媒介。这场为期两天的活动被命名为“人民剧场,人民共和!”这个标题既非讽刺,也非单纯的政治姿态。它指向一种尝试:舞台是否可以作为社会模型而运作?美学结构是否能够让民主原则变得可感?当色、声、动、味、形彼此等值时,所生成的或许不是乌托邦的图景,而是一种暂时性的实践——一种短暂的民主实践。

Kurator >于大于 Yu Da Yu · Teilnehmende >丸子 Wan Zi · 橙子 Cheng Zi · 于咒 Yu Zhou · 山谷 Shan Gu · 达不溜 W · 开元 Kai Yuan · JOJO · 白 Bai · 吴滟懿 Wu Yanyi · 闹米 Naomi · Performer:innen >丸子 Wan Zi · 橙子 Cheng Zi · 山谷 Shan Gu · 开元 Kai Yuan · JOJO · 白 Bai · 吴滟懿 Wu Yanyi